Sicherheit & Compliance
Stand: Juli 2026 · Technische Grundlage, nicht nur Vertragstext
Der Unterschied: technisch unabhängig, nicht nur rechtlich abgesichert.
Die meisten KI-Anbieter beantworten Datenschutzfragen mit einem Auftragsverarbeitungsvertrag (AVV) und einem EU-Rechenzentrum. Das ist rechtlich üblich — aber ein AVV ändert nichts daran, dass ein US-Mutterkonzern (AWS, Azure, Google) auf Anordnung US-amerikanischer Behörden zur Datenherausgabe verpflichtet werden kann, unabhängig vom Serverstandort. Sentio schließt diese Frage technisch, nicht nur vertraglich.
1. Die US-CLOUD-Act-Frage — und warum "EU-Rechenzentrum" sie nicht löst
Der US CLOUD Act verpflichtet US-Unternehmen zur Datenherausgabe unabhängig davon, wo auf der Welt die Daten physisch gespeichert sind. AWS Frankfurt, Azure Frankfurt oder Google Cloud Frankfurt ändern daran nichts — die Mutterkonzerne bleiben US-Unternehmen.
Die aktuell gültige Rechtsgrundlage für EU-US-Datentransfers, das EU-US Data Privacy Framework (2023), ist offiziell in Kraft. Ihre beiden Vorgänger (Safe Harbor, Privacy Shield) wurden vom Europäischen Gerichtshof bereits je einmal für ungültig erklärt (Schrems I und II) — mit genau dieser Problematik als Kernargument. Wer sich ausschließlich auf diese eine, historisch zweimal gekippte Rechtsgrundlage verlässt, baut auf einem Fundament, das schon zweimal nachgegeben hat.
2. Wie Sentio das technisch löst: Maskierung vor dem Cloud-Aufruf
Bevor irgendein Text ein Cloud-LLM erreicht, läuft er durch eine lokale Erkennungs- und Maskierungsschicht auf dem Sentio-Server selbst:
- Erkennung von Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, IBANs, Adressen und weiteren personenbezogenen Daten via spaCy NLP und Microsoft Presidio (deutsch und englisch)
- Stabile Pseudonymisierung: dieselbe Person erhält über alle Dokumente hinweg immer dieselbe Maske — notwendig, damit Kontext-Intelligenz überhaupt funktioniert, ohne echte Identitäten preiszugeben
- Performance: ~290ms für 5 erkannte Entitäten, CPU-only, keine GPU-Abhängigkeit für diesen Schritt
Erst der maskierte Text geht an das Cloud-LLM (Google Gemini). Für Entscheidungen, die nie die Maschine verlassen dürfen — etwa ob zwei Namensvarianten dieselbe Person sind — kommt ausschließlich ein lokales Modell (Ollama) zum Einsatz, ganz ohne Cloud-Fallback.
3. Verschlüsselung auf drei Ebenen
- Feld-Ebene: AES-128 (Fernet) für einzelne sensible Datenfelder in der Datenbank
- Speicher-Ebene: clientseitige AES-256-GCM-Verschlüsselung für Objektspeicher (S3-kompatibel)
- Datenträger-Ebene: Full-Disk-Encryption (LUKS) auf allen Servern
- Mandantentrennung: PostgreSQL Row Level Security (RLS) auf allen Tenant-Tabellen — technisch erzwungen, nicht nur applikationsseitig geprüft
4. Hosting & Sub-Auftragnehmer
Hetzner Online GmbH
Zweck: Primäres Hosting (dedizierte Bare-Metal-/Cloud-Server)
Standort: Nürnberg / Falkenstein, Deutschland
Google Cloud (Vertex AI)
Zweck: LLM-Inferenz (Gemini) — erhält ausschließlich bereits maskierten Text
Standort: EU-Region (europe-west3, Frankfurt)
Ollama (lokal)
Zweck: Identitätsauflösung bei Grenzfällen — läuft ausschließlich auf dem Sentio-Server, kein externer Anbieter
Für Enterprise-Tarife: 100% lokale GPU-Inferenz auf dediziertem Bare-Metal möglich — keine einzige Anfrage verlässt dann physikalisch den Hetzner-Server.
5. Vertragliche Absicherung
Ein AVV nach Art. 28 DSGVO ist für alle Kunden verfügbar und regelt Rollen, Pflichten und Schutzmaßnahmen zusätzlich zur technischen Absicherung oben. Anders als bei rein AVV-basierten Anbietern ist die technische Maskierung hier keine Ergänzung, sondern die eigentliche Absicherung — der Vertrag kommt on top, nicht stattdessen.
6. Fragen für Einkauf, Legal oder IT-Security
Für Due-Diligence-Anfragen, AVV-Entwürfe oder technische Rückfragen: info@brain-maze.de